Der Deal mit der Liebe – Teil 4

25 Jahre… Stationen einer Liebe in Bewegung

 

Der Deal mit der Liebe - Teil 4 - Stationen einer Liebe in Bewegung

von ZENturm

 Shalom

Durch die Dunkelheit kann ich dein Licht sehen

Ich kann dein Herz in meinem spüren, deine Gedanken in meinem Hirn erkennen

Dein Gesicht habe auswendig gelernt, jedes Grübchen, jede Falte zaubert ein Lächeln in mir

Ich sehe dich, sehe wer du bist und was in der Tiefe verborgen ist

Und nachdem, was alles gesagt, getan und ausgelassen wurde, bist Du immer noch Du und ich, bin ich

 Ich kann es spüren, sehen und auch begrüßen, dass die Zeit des Schmerzes alles verändert hat und so sind wir nicht mehr die, die wir vor 25 Jahren waren. 

Doch eine Wahrheit bleibt immer gleich. Du bist immer noch Du und ich glaube an dich und auch an mich

Und obwohl du mich nie darum gebeten hast, werde ich mich stets daran erinnern, dass ich durch dich, die Liebe zu mir gefunden habe.

 

Denn wenn ich darum bitten muss, will ich es nicht mehr

Und es gibt da noch eine Wahrheit in mir. Eine, die mit Frida Kahlo teile, die diese radikalen und zugleich unglaublich tiefen Worten, für Liebende fand.

“Ich verlange nicht von dir, mich zu küssen, noch von mir, mich zu entschuldigen, wenn ich denke, dass du falsch liegst. Ich werde dich nicht einmal bitten, mich zu umarmen, wenn ich es am meisten brauche. Ich verlange nicht von dir, mir zu sagen, wie schön ich bin, auch wenn es eine Lüge wäre, noch mir etwas Schönes zu schreiben. Ich werde dich nicht einmal bitten, mich anzurufen, um mir zu sagen, wie dein Tag war, noch zu sagen, dass du mich vermisst. Ich werde dich nicht bitten, mir für alles zu danken, was ich für dich tue, noch darum, dich um mich zu kümmern, wenn meine Seele niedergeschlagen ist. Und natürlich werde ich dich nicht bitten, mich in meinen Entscheidungen zu unterstützen. Ich werde dich nicht einmal bitten, mir zuzuhören, wenn ich dir tausend Geschichten erzählen möchte. Ich werde dich um nichts bitten, nicht einmal, für immer an meiner Seite zu sein.

“Denn wenn ich dich eines Tages darum bitten muss, will ich es nicht mehr.“ – Frida Kahlo –

 

25 Jahre und viele Stationen

Doch in unserem schönen kleinen Kämmerlein, war es damals schon gar nicht so leicht verliebt zu sein. Doch ich weiß, wir waren es. Und bis heute kenne ich dieses Gefühl, das so unglaublich tief und tragend ist, das mich durch die Tage, Monate und Jahre getragen hat. In bewusster Verbindung oder auch ohne sie, war es doch immer da! Ob in Zweisamkeit, mit und ohne Kinder, mit Fremden und vertrauten Menschen. Immer wenn du da warst, war auch dieses Gefühl da. Nein, leicht haben wir es uns nie gemacht und auch das Leben hat es oft nicht leicht mit uns gemeint. Es war wohl stets anwesend und im vollem Lauf präsent. Manchmal wären wir um ein Haar daran zerbrochen, an all den Pflichten, Ideen und Aufgaben.

 Wir waren krank und gesund, glücklich und unglücklich, zufrieden und unzufrieden. Verbunden, verbindungslos und völlig ungebunden. Einer Meinung waren wir selten und vielleicht ist ja gerade das, das tiefe Geheimnis warum es uns heute, immer noch zusammen gibt. Ja wir beide wussten sehr genau, das keiner von uns allein soviel wert ist, wie wir es zusammen sind. Einer wäre halt nur einer, doch nur zusammen sind wir so unendlich viele. Und genau das leben wir bis heute. Ich wollte oft gehen, doch wusste ich, wenn das geschieht, zerbricht nicht nur etwas in mir, in dir, in den Kindern und Enkeln, sondern auch in all den Menschen mit denen wir Tag für Tag zusammen sind. Und mir war klar, dass auch das Leben weinen würde.

In unserem Leben gab es kaum leichte und völlig unbeschwerte Momente. Doch wenn es sie gab, waren es goldene Momente. Und sie waren und sind bis heute der Antrieb, aus dem heraus wir in der Lage sind, dieses Leben zu gestalten. Ich glaube manchmal das wir keine Wahl hatten. Vermutlich haben dem Leben Tür und Tor geöffnet, als wir uns entschlossen hatten, ein Paar zu werden. Waren wir doch zu Beginn unserer Beziehung schon eingeengt durch all die Pflichten, die wir als Eltern hatten. Und all jene die man zusätzlich hat, wenn die Leben so spielen beginnen, wie die unsrigen. Jeder von hatte zuvor schon eigene Schritte gemacht, um aus dem EGO heraus zu finden und uns eingeredet, dass es wichtig sei für diese Welt. Nie haben wir uns gefragt, zumindest ich habe mich nie gefragt, ob das überhaupt tatsächlich so ist und womöglich war es das gar nicht; und vielleicht war es das doch? Ich kann heute nur sagen, unser Leben war immer ein Drahtseilakt. Bis heute haben wir das Dasein auf dem Hochseil mit Bravour bestanden.

Manchmal haben wir versucht uns gegenseitig vom Seil zu schubsen, jeder auf seine Weise, doch haben wir uns immer ein- und aufgefangen, so kam es nie zum tatsächlichen Aufprall. Und genau dafür, danke ich dir.

Danken auch dafür, dass du bei allen Weichenstellungen in unserem Leben, den Zug nicht verlassen hast. Du bist mitgefahren, obwohl du niemand bist, der in einen Zug steigt, dessen Zielbahnhof nicht angeschrieben ist. Mit mir hast du Züge bestiegen, die in ein Niemandsland führten und ich hätte ziemlich allein in diesem Zug gesessen, hätte womöglich die Bahnhöfe zum Umsteigen oder Aussteigen verpasst. So sind wir letzten Endes zusammen hier und jetzt und immer noch unterwegs. Und das Ankommen ist unwichtig. Wie wir unterwegs sind, das ist bleibt bis heute immer wieder die Frage.

 

Es war keine einfache und leichte Reise

Daraus ergibt sich, es hätte leichter und unbeschwerter sein können, auf jeden Fall für meinen Geschmack. Unsere Kinder haben uns bis heute, als Leitfäden in ihren Leben und Du bist für sie wie ein Fels in der Brandung. Dafür, dass Du meinen Söhnen ein stabiler Anker warst und noch bist, danke ich dir. Dafür, dass wir für so viele Menschen Richtungsweisende sein können, danke ich dir. Dafür, dass du meine Mutter in dein Herz schließen konntest, danke ich dir. Dafür, dass du machen destruktiven Neigungen nicht mehr gänzlich unterliegst, hast du all meinen Respekt. Solltest Du es für Dich selbst errungen haben, wäre ich tief berührt, sollte es für mich geschehen sein, wäre ich beschämt und sollte es für das Geschehen sein, wofür wir beide da sind, wäre es Ausdruck einer existentiellen Liebe und das wäre würdevoll.

Irgendwie und trotz alledem sind wir eine Erfolgsgeschichte. Unsere Geschichte wurde nicht aus Werten oder Vorstellungen geschrieben, sondern sie ist das Ergebnis eines Lebens.  So wie es sichtbar wurde, haben wir es genommen und es gelebt.

Die Jahre in „Jacques Weindepot“  in denen wir die „Jacques“ waren und die Menschen gesellig bei uns verweilten. Die Lokstation mit der Welt der Modelleisenbahnen, deren Menschen wir aus den moderigen Kellern, hinaus ins bunte Leben trugen. Wo Verbindungen entstanden und Menschen miteinander Neues schufen. Dann unser gemeinsames Herzprojekt „das ZENtrum“. Eine Schule für Menschen, die sich tatsächlich weiter entwickeln möchten und weit über das hinausgehen können, was Ihnen vorstellbar scheint. Die all ihre Talente und Fähigkeiten mit anderen teilen möchten. Die über die Stille, in die unendliche Liebe dieses Lebens fallen können. Das Haus auf Mallorca, das dem gleichen Ansinnen unterliegt und uns in das Alter begleiten soll. Hier sind meine und so auch deine Enkelkinder zu Hause und diese, immer mal wieder nahe bei uns haben um sehen, wie sie werden, was sie sind, ist ein Vergnügen.

So geht unser Leben dahin wie alle anderen Leben auch. Doch was wir erleben dürfen ist doch einfach nur großartig. Wir gestalten fast alles in unserem Leben, und das Leben gestaltet es mit uns. Unser Vertrauen scheint keine Grenzen zu kennen und unsere Liebe wohl auch nicht.

Ich war nicht immer glücklich, doch immer unglücklich war ich auch nicht. Die Wippe ist stets zurück in die Balance gekommen; und ich glaube, nur darauf kommt es an. Und die Liebe? Ja die Liebe! Sie war nicht immer im Spiel, nicht immer greifbar, denn so ist sie, die Liebe, die uns lässt. Doch gibt es da noch eine ganz persönliche Liebe auch! Die Liebe, die uns als Paar verbindet. Die Liebe, die unsere Eigenheiten und Dummheiten aushalten kann. Die Liebe, die unser Anderssein bisher überstanden hat, und das ist doch schon ein Wunder.  Und Wunder, dieser Sorte,  können nur dann geschehen, wenn man nicht an sie glaubt und wenn sie dann geschehen, kann man nur noch stauen und genau da, beginnt die Liebe.

Ich weiß sehr wohl, dass in unserem Leben viel zu wenig Zeit für dich übrig bleibt und du vielleicht sogar einen Teil von dir selbst verloren hast. Das hat in mir einen See der Traurigkeit entstehen lassen, der im Laufe der Zeit übergelaufen ist. Er wurde zu einem Fluß, der sich stets in Liebe verwandelt. Was soll ich jetzt noch sagen, denn ab hier gibt es keine weiteren Worte mehr …

nur noch Eines …    Shalom

 

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Marion Hötzel, ZENtrum-Mondsee 2025

Gerne können Sie aus diesem Gedankenfluss schöpfen, und schön, wenn Sie auf die Quelle hinweisen. Herzlichen Dank!