Die Leichtigkeit des Seins

Sein oder Nichtsein, das ist die Frage!

Oder geht es mehr um die Unerträglichkeit

des Seins?

Wir selber sind es, die unserem eigenen Selbst-Werdungsprozess im Wege stehen. Das ist besonders tragisch, weil wir dadurch eine latent vorhandene innere Unzufriedenheit ertragen müssen. Und dieses SELBST-blockieren, des ganz natürlichen Selbst-Werdungsprozesses, setzt eine Kaskade mannigfaltiger Unerträglichkeiten in Gang. Häufig sind wir uns dieser Zusammenhänge nicht bewusst und so können die Sabotagemuster nicht eindeutig als solche zugewiesen werden. Fazit dieser Tragik ist, dass wir mit den Jahren unausstehlich für uns selbst und auch für unsere Mitmenschen werden. Wir leben demnach ständig in der „Unerträglichkeit des Seins“.  Und jeder kennt sie doch nur zu gut, diese nagenden Unzufriedenheiten … und von der Leichtigkeit des Seins keine Spur!

 Was ist also die Leichtigkeit des Seins?

Diese Frage stellen wir uns oft; häufig kommen wir mit und durch diese Frage in innere Konflikte. Konflikte, mit unseren Vorstellungen, Bildern, Werten, Auffassungen und dem Verständnis dessen, was die Welt oder das Leben für uns bedeutet. Was wir überhaupt damit verbinden, wenn wir von unserem Leben sprechen, und das, was wir für das Leben oder unser Leben halten, bleibt doch in den meisten Fällen völlig unklar!

Dieser vielbeschriebene und von uns allen ersehnte Zustand des Seins, der mit einfachen mentalen Zuständen, wie der Abwesenheit von allen Bedürfnissen, Wünschen, Zwängen, Emotionen und Gedanken beschrieben wird, ist nicht so leicht zu haben. Wir müssen um ihn ringen, ihn wahrhaftig werden lassen und das bedeutet, sich ständig die Frage zu stellen, „WER BIN ICH“?

So war es zumindest bisher und in allen Überlieferungen, die sich mit dieser existenziellen Frage beschäftigten, wird es als kein leichtes Unterfangen beschrieben und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Dasein ist jenseits von Bequemlichkeit angesiedelt.

Wir müssen uns also um unser Glück bemühen

Heute jedoch möchten die Menschen einer modernen und verwöhnten Gesellschaft alles besitzen, auch existenzielle Erkenntnisse aus dem Metaphysischen sollen leicht erfahrbar sein.Loswerden möchte der moderne Mensch allerdings diese nervenden Gedanken und Zwänge, die an die menschliche Fehlerhaftigkeit und Hilflosigkeit erinnern könnten. Alles soll optimiert und den Bedürfnissen untergeordnet werden und meist kommen diese einer hoch emotional-narzistischen Wunscherfüllung gleich. Hier werden Bedürfnisse mit existenziellen Notwendigkeiten verwechselt und ein neurotischer Charakter bestimmt unsere Ziele.

Der eigentliche Seelenzustand des Seins, der völlig befreit ist von allen Bedürfnissen, Wünschen, Zwängen, Emotionen und Gedanken, kann ganz einfach nicht ausgehalten werden. Schon die geringste Konfrontation mit diesem inneren Zustand löst Angst und Panik aus.

Da dieser Zustand des Seins, aber unser Ureigenster ist, laufen wir im Grunde vor uns selbst davon und aus Angst vor der Angst, leben wir einen ständigen TUN Modus.Alles, was von diesem Zustand ablenkt, was uns Sicherheit durch Tun verschafft, ist uns recht. Und das reicht von der Anhäufung von Wissen, bis hin zur Anhäufung von Konsumartikeln und dem Umgang mit Sucht- und Lebensmitteln.

Im Laufe der Jahre entsteht auf diese Weise eine latente innere Unzufriedenheit, die sich allmählich auch im Äußeren Platz schafft und eine Chemie der Unaustehlichkeit verströmt.Wir werden unerträglich mit uns selbst und für unsere Mitmenschen. Ich behaupte, dass jede*r ganz genau versteht und auch weiß, wie sich diese Unerträglichkeit anfühlt. Dem einfachen Zustand, in dem NICHTS ist, weichen wir mit allen erdenklichen Tricks aus.

C. G. Jung sagt Folgendes und bringt den inneren Vorgang damit auf den Punkt:

„Man kann hier die Frage aufwerfen, warum es denn wünschenswert sei, dass ein Mensch sich individualisiert. Es ist nicht nur wünschenswert, sondern sogar unerlässlich, weil durch die Vermischung das Individuum in Zustände gerät und Handlungen begeht, die es uneinig mit sich selber machen. Von jeder unbewussten Vermischung und Unabgetrenntheit geht nämlich ein Zwang aus, so zu sein und zu handeln, wie man selber nicht ist. Man kann darum weder einig damit sein, noch kann man dafür Verantwortung übernehmen. Man fühlt sich in einem entwürdigenden, unfreien und unethischen Zustand … Eine Erlösung aus diesem Zustand aber ergibt sich erst dann, wenn man so handeln kann, wie man fühlt, dass man ist. Dafür haben die Menschen ein Gefühl, zunächst vielleicht dämmerhaft und unsicher, mit fortschreitender Entwicklung aber immer stärker und deutlicher werdend … Es muss allerdings anerkannt werden, dass man nichts schwerer erträgt als sich selbst.“ (C. G. Jung)

Was drückt Jung damit aus?                      

Er beschreibt die Zwanghaftigkeit, gegen die eigene Natur zu handeln. Sich gegen sein inneres Gefühl zu entscheiden. Er sagt weiter, dass es dadurch zu einem ständigen Konflikt zwischen Richtig, Falsch und Schuldig kommt. Wir sind in diesem Konflikt immer nur auf das Kalkül bedacht. Auf Interessen, Manipulationen und Unsicherheiten, und genau so sieht unsere Gesellschaft heute aus! Da gibt es einen sehr passenden Begriff dafür, den Begriff der Verantwortungslosigkeit. Wir sind nicht in der Lage zu antworten, denn jede Antwort könnte gegen uns verwendet werden. So halten wir uns selber in Unfreiheit und etwas in uns findet das unausstehlich. So ist es vorbei mit der Leichtigkeit des Seins und das, was wir uns so sehr wünschen, rückt in unerreichbare Ferne. Weil wir auch das tief in uns selber spüren, werden wir mit der Zeit unausstehlich, arrogant, fo.rdernd und vereinnahmend. Wir vereinnahmen alles, was wir können, koste es was es wolle

Doch einen Trost gibt es auch!

Die Leichtigkeit des Seins, ausgefüllt mit diesem SEINS-Zustand von Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, ist uns wohl in der Minute des Todes garantiert. Zumindest sagt man das so. Ob das dann auch so ist, weiß doch tatsächlich niemand und die wagen Zeugnisse von Nahe-Tod-Erlebnissen, scheinen auch nur Phänomene unserer Vorstellungskraft zu sein.  

All das sind doch nun wirklich keine schönen Perspektiven. Sollten wir nicht angesichts der Tatsache, dass dieses unser Leben einzigartig sein kann, alles daran setzen, diese Einzigartigkeit tatsächlich auch zu erfahren? Und diese Frage können und sollten wir uns heute stellen, denn das war nicht immer so.  Solche Fragen, die zur Selbsterkenntnis führten, waren in den Epochen vor dem 2. Weltkrieg nur sehr wenigen Menschen vorbehalten. 

Das normale oder gemeine Volk hatte keine Zeit, das Leben war ein täglicher Kampf ums Überleben und auch gab es keinen Zugang zu diesem Wissen. Doch heute haben wir als gesamtes Kollektiv die ungeheure Möglichkeit, unser Bewusstsein zum Wachstum zu bringen, damit ein völlig neues menschliches Bild zu Tage treten kann. Ein Mensch, der in der Gegenwart gegenwärtig ist. Was bedeutet das? 

„Alles Entstehende beruht auf der Offenbarung der Seele, als Erlebnis der Gegenwart.“

Sagte Krishnamurti, einer der größten Meditationslehrer des letzten Jahrhunderts. Und dieses Erlebnis von Gegenwart entsteht aus der Erkenntnis des Vergangenen. Das heißt: Das JETZT oder Gegenwärtige verdrängt durch diese Erkenntnis augenblicklich alles Vergangene und das Zukünftige auch.  So hat die Gegenwart alles Vergangene und auch Zukünftige in sich komprimiert. Sie ist sozusagen die Essenz dieser Vorgänge.  Die Essenz, eingekocht ähnlich wie ein Sirup, der zu einer Melasse wird, deren Ingredienzien die Vergangenheit und die Zukunft sind.  Die Gegenwart trägt demnach ein komprimiertes „All- Eins-Wissen“ in sich, das sich unaufhörlich komprimiert und verändert. Diese Melasse nennen wir mal ab hier Genetik. Ein Feld, in das wir erst langsam vordringen. Fakt ist, dass wir alle Teil dieser Melasse sind und dass durch jeden von uns diese Melasse weiter an Substanz gewinnen kann. Kann, aber nicht zwangsläufig auch wird!

Und diese Gegenwart, sie schwirrt nicht um uns herum, sondern sie ist stets in uns und sie muss als diese auch erkannt werden. Kommen wir mal hin und wieder in der Gegenwart an, empfinden wir diese als den inneren Raum jener universellen Weite und haben Zugang zu den Melasse-Feldern. Hier gibt es keine Zukunft, hier gibt es Hinweise aus einem JETZT-Zustand, der mit nichts an Vergangenem klebt und der sich doch aus der Essenz des Gelebten und Erfahren speist und sich stets auf das völlig NEUE ausrichtet. Dies bringt ein universelles Handeln hervor. Getragen oder ausgetragen von universellen Menschen, die das Produkt der Veränderung des Verstandes sind.    

Hier ist der Mensch völlig frei an das Universelle gebunden und lebt in der Leichtigkeit des Seins! 

Viele fragen sich sicher ab hier, ob und für wen das Sinn machen sollte, sich diesem Prozedere, von innerem Wachstum, auszusetzen.  Und genau diese Frage muss sich jeder Einzelne stellen und muss diese unbedingt auch selbst für sich beantworten. 

Für uns ist es klar.

FÜR SIE , FÜR MICH UND DIE LEICHTIGKEIT DES SEINS … 

Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben sich mit diesen Gedanken zu beschäftigen und ich hoffe Sie konnten etwas erfahren, das Sie weiterbringt und in Ihre Wahrnehmung eintreten konnte.

COPYRIGHT

Marion Hötzel, ZENtrum-Mondsee 2025

Gerne können Sie aus diesem Gedankenfluss schöpfen, und schön, wenn Sie auf die Quelle hinweisen. Herzlichen Dank!