Was Meditation ist und sie nicht ist …

Sie ist am Anfang eine Praxis

und wird später zu einer inneren Haltung, mit der Folge von allgemeinem Wohlgefühl,  Ausgeglichenheit und merklicher Gelassenheit, die aus der Klarheit eines insgesamt entspannten Gewahrsams, in uns erwachsen. Teile unseres Gehirnes verändern sich und wir sind immer weniger in dem energieraubenden Abwehr- und Kampfmodus.

Doch auf keinen Fall ist Meditation eine Wellnessveranstaltung oder gar ein Werkzeug, für falsch verstandene Liebes- Anerkennungserwartungen.  Liebe und Verbindung wird, im Kontext mit Meditation, häufig mit der symbiotischen Liebe und der verschmelzenden Leibes-Zugehörigkeit, unserer frühesten Kindheit verwechselt. So verstanden wird Meditation zu einem Allheilmittel und der Blick auf das Wesentliche, nämlich dem JETZT, wird durch das Symbiotische verklärt und in einen kindlichen Erfahrensraum transportiert.  Sie wird romantisiert und hat mit der Realität des JETZT nichts zu tun. Das ist nicht wirklich etwas Falsches, denn das Kind sucht immer nach Ausgleich, Balance und Harmonie, doch Meditation auf diese Weise verstanden, führt in weitere, idealisierende Scheinwelten, die das innere Wachstum in Richtung egoistischer Besonderheiten verführt. Keinesfalls führt diese kindliche Idealisierung,  in die Realität des JETZT und in ein waches und erwachsenes Dasein, dass sich handlungsaktiv in das Leben gibt.

Meditation ist mal erst eine Konfrontation mit dir selbst

Stell dir vor, du setzest dich still hin und beginnst zu beobachten, was in deinem Verstand vor sich geht. Wenn du das schon einmal gemacht hast, wirst du erfahren haben, wie schnell dich deine Gedanken sozusagen übernehmen und in einen inneren Film befördern wollen. Im Handumdrehen bist du zum Hauptdarsteller dieses Films geworden und du schläfst mit offenen Augen. Es ist dir jedoch nicht als Schlaf bewusst, denn unter Schlaf verstehst du etwas völlig anderes. Es ist der Schlaf der Bewusst_losigkeit, sozusagen der Abwesenheit von Bewusstheit. So befindest du dich ständig in Träumen, mal im Wachmodus, mal im Schlafmodus. So verlaufen unsere Tage meist im Nebel der Gedanken, du glaubst, du seiest wach, bist es aber nicht. Du bist in Gedanken und diese kommen aus der Vergangenheit oder fantasieren eine ferne Zukunft. Das eine ist vergangen und nicht mehr existent, das andere noch nicht geschehen und deshalb noch nicht existent. Was also ist existent?

Und genau an dieser Schnittstelle erwartet uns eine weitere Falle unseres blühenden Verstandes. Er macht den Umgang mit Meditation zu etwas Besonderem und die Erkenntnisse und Erfahrung zu etwas Außergewöhnlichem. Und genau das ist etwas, was uns Menschen inne liegt, wir wollen gesehen werden, wollen Bedeutung haben. Doch darum geht es in Meditation nicht!  Das Wesen der Mediation ist frei davon, es ist nüchtern und frei von Illusionen. Frei von Wünschen über das, was oder wer wir sind, oder sein wollen.

Spiel der Gedanken

Während der Übungspraxis erkennst du immer öfter, dieses Spiel der Gedanken oder dem Gedankenspiel. Du erkennst, dass es eben nur ein Spiel und nicht die Realität ist, was dich da eingefangen hatte, sondern bloß ein längeres Gedankenspiel, das du jederzeit durch Klarheit aufzulösen vermagst. Somit ent-täuscht du dich selbst und erkennst die Fata morganas in allen Vorstellungen und Gedankenspielen. Und dieses Spiel oder dieser Film, ist eine Folge von aufeinanderfolgenden Vorstellungen, Bildern, Ideen und Gefühlen, mit denen du dich identifiziert hattest.  Die Identifizierung damit hat dir vorgegaukelt, alles das seist du!

Stell dir jetzt vor, du beobachtest, wie ein Gedanke auftaucht, nur lässt du ihn einfach Gedanke sein und beobachtest weiter, wie er wieder verschwindet. Und wie ein weiterer Gedanke auftaucht, wieder verschwindet, ein dritter kommt und wieder geht. Du greifst nicht nach ihm, folgst ihm nicht nach. So stellt sich kein neues Bild, keine neue Vorstellung ein, nichts häuft sich an und so muss auch nichts wieder losgelassen werden.

Mit der Zeit wirst du in der Lücke, in der keine neuen Gedanken auftauchen, zwischen dem was geht und dem was kommt, klar und unverfälschte, frische und unmittelbare Erfahrungen machen. Dies nennen wir die Erfahrung einer ungetrübten Präsenz. Einer Präsenz, die frei ist von Konzepten, Bildern, Vorstellungen und auch frei ist von Gefühlen. Diese Präsenz ist gleich einer Stille, in der alles enthalten ist und nichts ergriffen wird. Von dieser Stille wirst du ergriffen, ergreifen kannst du sie nicht.

Keine Optimtierung

Mediation ist kein Optimierungswerkzeug, obwohl wir durch sie gelassener werden können, obwohl wir einen regen Geist und einen blitzschnellen Verstand erfahren können, obwohl wir uns meist irgendwie auch gesünder und lebensfroher fühlen, lässt sie sich nicht darauf reduzieren. Wie gewonnen, so zerronnen, würde an dieser Stelle gut passen. Will ich etwas haben von Meditation, oder durch sie etwas erreichen, gibt sie mir nichts. Außer, weitere Hirngespinste, doch genau die wollen wir ja eben nicht!

Doch für dein Leben liegt ein großer Gewinn unter anderem darin, dass du dich, bei zunehmender Meditations-Praxis, immer weniger mit deinen persönlichen Problemen identifizierst. So verwandeln sie sich mit der Zeit und aus einst leidigen Problemen, werden Herausforderungen, denen wir uns mit ganzer Aufmerksamkeit und Neugierde, stellen. Die Abhängigkeit von all den mannigfaltigen Umgebungsreizen wird geringer und umso stärker wächst die Fähigkeit, uns kraftvoll dem Leben zuzuwenden und die Leichtigkeit des Seins tatsächlich zu erleben.

Wir können Meditation nur empfehlen. Sitzen, Sitzen und nur Sitzen, 10 Minuten tägl. sind schon ein guter Einstieg. Und auch diese kurze Pause meist reicht schon aus, um zur Besinnung zu kommen.  Fangen Sie ganz einfach an und bleiben Sie dran …

COPYRIGTH

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Vielen Dank … Marion Hötzel