Wie wir Bewusstsein verstehen

Wie wir Bewusstsein verstehen.

Was ist denn nun Bewusstsein, werden wir oft gefragt …

Nun ja, da gibt unendlich viele Gedanken und Ansichten aus den verschiedensten Fachbereichen. Von der Theologie bis hin zur Quantenphysik, alles verschieden und doch am Ende gleich. Vielleicht ist es LIEBE!?

Im Grunde können wir auch nicht bestimmend sagen, was Bewusstsein ist. Doch was wir sagen können ist, dass wir etwas in uns haben, das man vielleicht mit wacher Anwesenheit oder der Beobachtung unserer Handlungen, der Fähigkeit zu denken, Sprache zu formulieren, das Wahrnehmen von Schmerz, Gefühlen und Emotionen bezeichnen kann, ohne dass wir glauben alle diese Fähigkeiten zu sein. Wir haben die einzigartige Möglichkeit, uns selbst, jenseits all dieser Phänomene, als etwas Ganzes und im Kern Unverletzbares zu empfinden. Dieses Beobachten setzt allerdings voraus, dass wir auf etwas oder jemanden, in dem Fall uns selbst, zurückschauen können. Wir leben das Leben immer in eine meist ungewisse Zukunft hinein, die wir in der heutigen Zeit des modernen jugendlichen Geistes, (ich kann alles) auch selbst denken, vorstellen und im tragischsten Fall auch Erfüllung gehen lassen können.  Jetzt werden Sie sich sicher fragen, was denn daran tragisch ist? Tragisch daran ist, dass Sie nicht ihr tatsächliches Leben leben, sondern nur eine Vorstellung davon. Den Wunsch, den Sie irgendwann einmal in eine Glaskugel legten. Ob alles, was dann da geschieht, tatsächlich uns entspricht, wissen wir nicht. Und verstehen und mögliche Zusammenhänge sehen, können wir immer erst im Rückblick.

Und genau diese Fähigkeit ist eine Phase von möglichem Wachbewusstsein, die wir mal, an dieser Stelle, das Rückbezügliche nennen wollen. Hier besitzen wir die geistige Fähigkeit, eine Beziehung zu den Handlungen in unserem Leben zu erkennen und im Nachhinein, sozusagen aus der Distanz der Zeit, zu verstehen. Diese Fähigkeit ist in uns angelegt und will erkannt und geübt werden.

 

Meditation als Werkzeug

Und dazu ist das Werkzeug der Meditation von unschätzbarem Wert. Doch setzt Meditation immer auch eine äußerst disziplinierte Form der täglichen Praxis voraus und genau hier, trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen. Für viele ist es eine ungeheure Herausforderung, ohne einen versierten Lehrer durch die Anfangsjahre der meditativen Praxis zu kommen. Ändern lässt sich das aus heutiger Sicht leider nicht.

So kommt nun unsere Arbeit mit dem Lebens-Integrations-Prozess ins Spiel. Nicht das wir durch diese Form der Aufstellungsarbeit eine Abkürzung gehen könnten, ist er jedoch zweifelsfrei eine direkte Möglichkeit zu verstehen, warum es Sinn ergibt sich täglich mit Meditation zu beschäftigen. Und anderseits zeigt uns die Arbeit mit dem LIP, dass es allein durch das Aufstellen der Lebensphasen häufig auch tatsächlich schon zu anhaltenden und gar transformierenden Veränderung kommt.

Doch meist bleibt das Erfahrene an einer Oberfläche, von der aus es an Schwere fehlt, damit es tiefer sinken kann, um dann in der Folge in diesem Tauchgang so lange gehalten werden kann, bis das Auftauchen von selbst geschieht. Doch was meine ich damit, wenn ich sage, dass es von selbst geschieht. Es geschieht von selbst, weil sich das Leichte am Ende durchsetzt und nach oben zu schweben beginnt. Und erst nach diesem Prozess kommt es meist zu den Erkenntnissen, die uns auf magische zu Verwandeln vermögen. Einsichten, die es uns schwer machen, in alte Muster zurückzugleiten.

So sehen wir in der Zusammenführung beider Herangehensweisen, eine sehr moderne und dem Wachstum von Bewusstsein zuträgliche Kommunion, die, die nächste Phase des wachen Bewusstseins beschreiben kann.

 

Eine neue Phase des Bewusstseins beginnt

Durch das Verstehen auf der einen Seite und das Fühlen auf der anderen Seite, entwickelt sich eine ganz vitale Wachheit für die eigene Person. Wir erkennen unser EGO als Ganzes und durchschauen narzisstische und egoistische Züge sehr genau. Dieser Prozess beginnt, oder nimmt seinen Anfang, in dem sich die wichtigsten Fragen in uns selbst formulieren. Irgendwann im Verlauf unserer Meditationspraxis kriechen sie in unser Bewusstsein, sind plötzlich wie aus heiterem Himmel einfach da und suchen bohrend nach Antworten. Wer bin ich eigentlich? Was mache ich hier? Wo komme ich her? Wo gehe hin? Was ist Leben? Was ist Tod? Ab hier sind wir schwanger, schwanger mit den Fragen und der Suche nach Antworten. Mal glauben wir sie zu kennen, mal fallen wir in tiefen Selbstzweifel, mal sind wir erfreut und nahezu glücklich, mal depressiv und untröstlich. Ab hier formt sich allmählich wieder eine neue Phase des wachen Bewusstseins, die Phase von Spiritualität. Doch was ist das Spirituelle? Ist es nicht das Lebendige in uns, vielleicht das Leben selbst? Sollte es denn tatsächlich nur die Ausrichtung auf das Göttliche, das Universelle, das Ganze sein? Oder ist es das Einfache, das Gewöhnliche und das völlig Unbedeutende und Normale in uns?

Immer wieder kommt es zu Verwechselungen mit den Teilen des Verführerischen und Besonderen. Dem sogenannten Ego und den vielen kleinen ich-bezogenen Egos, den Vorlieben, Abneigungen, all den Einschränkungen, die uns in unserem Grunde eng werden lassen. Und zusätzlich bewegen wir uns oft über lange Zeiträume in diesem Auf und Ab. Doch während des Zeitraumes der Kultivierung, wächst das Bewusstsein jenseits dieser eng machenden Anteile stetig und der Wahrnehmungsraum, in dem das Verstehen im Nichtverstehen, das Denken im Nichtdenken, das Erkennen im Nichterkennen, als ganz normaler Vorgang toleriert werden kann, öffnet sich.

Die Anlage für das spirituell Lebendige ist in jedem von uns vorhanden. Es ist vielleicht Intuition, es ist wie eine Ahnung, eine Vorsehung und doch ist es mehr als das. Es ist eine neue und doch uralte Dimension des Erkennens. Ein Erkennen ohne ein Tun und doch voller Handlungen und der wundervollen Fähigkeit des Gestaltens, auf einer gänzlich anderen Ebene. Einer Ebene, die mit uns als persönliches Wesen nichts zu tun hat und doch nur durch uns selbst auf uns trifft. Diese Räume oder Ebenen erreichen und durchdringen uns nur dann, wenn wir uns von unserem engen Persönlichen trennen und uns ganz von der Phänomenologie des Lebens selbst führen und berühren lassen.

 

Die Bewegung der Seele

Sobald wir entspannen und DAS, was da auftauchen und lebendig sein will, auch halten können, ohne uns in unsere persönliche Welt verwickeln zu lassen, eröffnet sich eine Bewegung, die wir das Seelische, oder wie es Bert Hellinger „Die Bewegung der Seele“ nennt. Bewegung der Seele oder die Bewegung des Lebendigen geschieht immer in und in der Folge dann aus uns selbst heraus. Hier sprechen wir vom ewigen Kreislauf der Existenz, vom tatsächlichen „Perpetuum mobile“.

Wir wissen mittlerweile schon sehr viel von den schier unbegrenzten und schöpferischen Möglichkeit unseres Gehirns. Doch nutzt uns das in unserer persönlichen Entwicklung nicht wirklich etwas. Denn das Wissen darum ist und bleibt immer erst ein rein theoretisches.  Dieses Wissen kann nur dann zur Anwendung kommen, wenn wir selber aktiv damit beginnen, eben dieses Wissen in uns selbst zu ergründen. Und dann im nächsten Schritt, all die tief erfahrenen Erkenntnisse, in ein bewusstes Alltagsleben integrieren und sie in der Folge durch all unsere täglichen Handlungen zum Ausdruck zu bringen. Und diesen Raum des Ausdrucks nennen wir Handlungsbewusstsein.

Es ist keine Therapieform, sondern die Schulung des eigenen Bewusstseins. Bewusstsein will geschult, erfahren und erkannt werden und es sind Schritte für eine erfolgreiche Integration notwendig. Es geht hierbei in erster Linie um ein Schauen. Wir schauen auf das Erkannte, schauen auf das, was uns aus dem Unbewusst, bewusst wird und schaffen dadurch Platz für neue Lebenslinien. Ein „NUR schauen“ ohne Werten ist eine sehr, sehr einfache, aber keine leichte Sache. Diese Art des Schauens setzt das Zusammenspiel von ganzheitlicher Körperempfindung, Herzkontakt und Geistes- oder besser gesagt Verstandeslosigkeit voraus. Dieser Zugang ist nicht durch irgendeine Technik oder Methodik erreichbar, sondern entsteht von selbst.

In einem Raum der Achtsamkeit und der Hingabe, in dem ein Nichtverstehen wollen die Eintrittskarte ist, in einem solchen Feld oder besser gesagt einer solchen inneren Haltung, kann ein neuer und gänzlich anderer Bewusstseinsraum, vielleicht ICH-Losigkeit, entstehen, in dem sich das phänomenologisch Lebendige zeigen kann. Dieser Raum tritt meist nur kurz in Erscheinung und ist in den meisten Fällen nicht beliebig lang haltbar. Doch halten wir uns häufiger in diesem Feld auf, so weitet sich das Bewusstsein immer weiter aus und dringt in weitere Bewusstseinsebenen ein.

Mit der Vorgang des sich Ausweitens, beginnt das Erwachen der jeweiligen neuen Bewusstseinsebene, die wir kennenlernen müssen, in der wir uns einrichten und zu Hause fühlen lernen.  Jede dieser Ebenen hat ihre eigenen Qualitäten und Merkmale. Aus den letzten 5000 Jahren haben wir viel davon überliefert bekommen, wie es sich in diesen Ebenen anfühlt und was wir dort vorfinden werden. Doch fatalerweise wurde so manches davon eins zu eins übernommen und wurde somit häufig gänzlich missverstanden. Und doch sind diese Missverständnisse auch irgendwie verständlich, kommen sie doch aus unteren Ebenen, die den holistischen Ansatz, in den Betrachtungen, ganz einfach nicht verstehen können.

 

Häufige Missverständnisse

Und das Eigentliche an den Missverständnissen ist, dass wir etwas erreichen möchten, wo es nichts zu erreichen gibt, wo wir beginnen, den Phänomenen, die wir in der Meditationspraxis durchaus erfahren können, hinterherlaufen und dadurch immer neue Illusionen in uns erschaffen. Frustrationen und Selbstwertverluste sind da keine Seltenheit. Um die Überlieferungen verstehen zu können, müssen wir uns eine Zeit lang selbst zur Meditationspraxis disziplinieren. In der Folge der Praxis können wir dann an uns selbst erkennen, dass sich die Fähigkeit zum Verständnis der Texte entwickelt hat. Woran wir das erkennen? Ganz einfach! Wir verstehen plötzlich all das, was zuvor noch unverständlich schien.

Doch gerade das tiefe Verstehen in den Überlieferungen sind von unschätzbarem Wert, wenn wir Aus- und Einblicke in die nächsten Ebenen des Bewusstseins erhalten möchten. Wenn wir tatsächlich dort ankommen, uns nicht auskennen, uns allein und fremd fühlen, können uns die Überlieferungen als wertvolle Anker dienen. Durch sie können wir uns furchtlos und voller Vertrauen und mit Klarheit, auf diese uns gänzlich unbekannten Ebene einlassen und durchaus in der Folge auch beginnen, unsere ganz eigenen Versuche und Erfahrungen in diesem Bewusstseinsraum zu machen.

Die eigenen Versuche und Untersuchungen in diesem neuen Bewusstseinsraum sind von großer Wichtigkeit, denn all unsere Erfahrungen und vor allem unsere gesamte Persönlichkeit müssen wir mitnehmen, um diese dann in die neuen Bewusstseinsräume zu integrieren. Und auch hier sind uns die Überlieferungen wieder einmal sehr hilfreich. Doch sind sie eher noch vage Wegweiser, denn keinesfalls sind sie eine feste Bezugsgröße für die Welt, in der wir uns heute befinden! Und gerade darin liegt die Krux. Sobald wir daran glauben, dass es das Ziel sei, den Aspekten aus den Überlieferungen zu folgen oder sie gar zu erreichen, sind wir auf einem Irrweg. Einem Weg, weg vom lebendigen JETZT, zurück in eine längst schon vergangene Zeit. Diesen Weg nennen wir den Weg der Verblendung. Geblendet durch die Überlieferungen vergangener Zeiten. So versuchen wir in unseren Kursen, Meditation und Bewusstsein in Verbindung mit uns selbst und unserem Alltag, als wichtigen Anker zum JETZT, zu vermitteln.

Wir wollen uns der logischen Tatsache nicht verschließen, dass wir heute eine andere Gesellschaft haben, anderen Herausforderungen standhalten müssen, als das vor 5000 oder 100 oder noch vor 50 Jahren der Fall war. Gingen wir zurück, ließen wir der Entwicklung keinen Raum, sondern wir hielten fest an alten Aspekten, die nicht mehr greifen, aber uns anhaften. Öffnen wir uns jedoch dafür, die Überlieferungen hinter uns zu lassen, erfahren wir eine völlig neue und gänzlich unbekannte Ebene, die sich ausschließlich an das JETZT richtet und an keine vergangenen Erfahrungen gekoppelt ist. Hier beginnt ein authentischer Weg. Vielleicht der Beginn eines Buddha-Weges, ohne ein Buddha zu sein. Sondern, wir sind wir und doch sind wir auch Buddha. Doch was heißt es ein Buddha sein? Wir erkennen, dass es keinen Sinn ergibt ein Buddha, ein Jesus, ein Zarathustra oder ein sonst wer, zu werden oder sein zu wollen!

 

Der Weg zum Wesenkern

Nein, wir wissen, dass wir nur werden können, wer wir in unserem Wesenskern schon sind! Somit erkennen wir unsere eigene Natur und drücken diese in diesem Leben möglichst vollständig und in einer sehr lebendigen Weise aus.  So allmählich kommen wir dann mit dem Sinn des Lebens in Kontakt. Was ist der Sinn? Was ergibt Sinn? Vielleicht sind wir es selbst? Sind wir Sinn? Geben wir vielleicht Sinn, in dem wir Sinn stiften …!?

Genau hier setzten wir an. Erst einmal ist es wichtig, neben allem, was wir über die weiterführenden Bewusstseinsebenen wissen, zuallererst alles über uns selbst wissen müssen, um die jeweiligen und schon in uns integrierten Bewusstseinsebenen zu entdecken. Zu schauen, welche Erfahrungen auf unseren Bewusstseinsebenen noch ungelebt, unentdeckt und unversöhnt sind. Wir lernen darauf zu schauen, ohne etwas anders haben zu wollen oder geben die verrückte Idee etwas verändern zu müssen auf. Auf diese Weise integriert sich das „Gesehene“ in unser Leben. Wir sammeln sozusagen unser eigenes Leben ein, werden zu Wanderern unserer Bewusstseinsebenen und lernen die unterschiedlichen Prägungen, auf den einzelnen Ebenen, bewusst kennen.

Im Laufe dieses Trainings erkennen wir mehr und mehr, auf welchen Ebenen wir uns in den verschiedensten Situation unseres Daseins befinden. Wir lernen besser zu verstehen, wie wir handeln und lassen den sich in uns ausdehnenden Raum so weit werden, dass sich Bewusstsein weiter entwickeln kann. Ein Lebendiges „sich selbst erfahren“ setzt jedes Wachstum voraus und wir sind ab da, sehr interessiert an persönlichem Wachstum. Es ähnelt einem Ausdauertraining, denn nur durch Ausdauer, Geduld und der Liebe zu sich selbst, ist ein Wachstum des Bewusstseins erst möglich. Selbstmitgefühl scheint der Nährboden für dieses Wachstum zu sein, scheint der Antrieb für die Ausdauer sein, aus dem sich ein liebevoller Wille  entwickeln kann.

Wir kommen in Berührung mit spirituellen Einsichten und oftmals verwechseln wir diese Ebenen der Erfahrungen. Verbringen Zeiten im Prä (Altes) Bewusstsein und glauben im Trans- (Neues) Bewussten zu sein und beides ist Illusion. Zur Orientierung kann vielleicht dienen, dass im Trans- (Neues und unentdecktes) Bewusstsein nichts ist, an dem wir uns festhalten könnten. Dort ist nur offener Raum, haltlos und Verstandeslos, der Orientierungslosigkeit und der vollständigen Auflösung darin. Ein Fallen ins Bodenlose ohne Netz und doch auch ein Ort in dem NICHTS und ALLES enthalten scheint, der nicht greifbar und schon gar nicht begreifbar ist. Voller Stille, Wortlosigkeit, Gefühls- und Gedankenlosigkeit, Empfindungslosigkeit und Wahrnehmungslosigkeit, einzig ein in sich friedvoll unbeweglich bewegendes Gewahrsam.

 

Universell intelligente Lebendigkeit

Im Prä- (Prägung-Vergangenheit) Bewussten hingegen haben wir Wahrnehmungen und prägende Emotionen und Empfindungen. Hier geschehen emotionale, gedankliche und bildliche Vorgänge, die ihre Verankerungen im kleinen Ich-EGO haben. Erinnerungen an die Zeit im Mutterleib, das Nest der Familie, der eigenen Existenz und den automatisierten Vorgängen unseres existenziellen Daseins. Alles das also, was wir für unsere „reale Welt“ halten. Uns entgeht dabei jedoch das vollständige Spektrum des Lebens und das uns innewohnende Potenzial einer grenzenlosen Kreativität, einer universell intelligenten und sich immer wieder neu präsentierenden Lebendigkeit.

Im Trans-Bewusstsein zerfällt unsere Verbindung zum Alltagsbewusstsein, dem Prä-Bewusstsein eingeschlossen, für kurze Zeiträume total und das unbekannte Feinstoffliche tritt, wie aus der Zukunft kommend, auf uns zu und in uns ein. Gleichsam ist es eine Erfahrung ohne Beobachter oder jegliche Wahrnehmung, ohne Vergleiche und frei von Wertung, ohne irgendetwas, das wir in irgendeiner Form auch nur annähernd kennen. Es ist völlig unbekannt. Nur in diesem Unbekannten findet dann tatsächlich eine Veränderung unserer inneren Strukturen statt. Und wieder ist es der Alltag, den wir hier als Freund an unsere Seite haben, denn nur durch ihn, können wir diese Veränderungen an uns selbst wahrnehmen.

 

Wenn wir Veränderungen bemerken

Das eigene Erkennen von Veränderungen in und an uns selbst, scheint auf den ersten Blick, das einzige signifikante Zeichen einer solchen Erweiterung des Bewusstseins zu sein. Doch mit der Zeit können wir größere Unterschiede in der Wahrnehmung und ein grundsätzlich tieferes Vertrauen in das Trans-Phänomene-Bewusste durchaus im Alltag selbst bemerken und von da an wird auch unser Alltag ein anderer. Wir leben ihn immer weniger fremdbestimmt und treffen unsere Entscheidungen aus einer ganzheitlichen Sichtweise, die sich wie magisch auf das richtet, was für uns und andere sinnvoll scheint. Die Identifikation mit inneren Prägungsmuster, äußeren Strukturen und Gruppenwertigkeiten, nehmen ab und lassen eine authentische Persönlichkeit entstehen.

 

Die Form bestimmt die Form

Jenseits von Selbstoptimierung, Ziel und Lösungsorientierung, setzen wir auf die dem Menschen innewohnende Neugierde und dem Wunsch sich zu entwickeln. Entwicklung in der Form, sich selbst formen zu lassen, ohne die Form zu bestimmen, sondern der Form, mit der wir geboren wurden, den Raum zur Gestaltung zu geben und sich selbst von dieser Form berühren und überraschen zu lassen.

Allmählich werden wir zu dieser Form; alles, was in uns steckt, all die wunderbaren und einzigartigen Talente, all die dunklen und kraftvollen Aspekte, ergießen sich in diese Form. Und vielleicht ist das dann der Beginn unseres bewussten Lebens. Vielleicht erkennen wir dann zum ersten Mal, dass wir tatsächlich ein lebendiges Wesen sind. Vielleicht ergießt sich ein Regen der Trauer über uns, der uns völlig durchnässt. Eine tiefe Trauer, in der wir uns entblößt und nackt fühlen und die begreift, dass schon so viele Jahre vorüber sind, von denen wir so gut wie nichts mehr wissen … und wir beginnen das vergangene Leben zu bereuen, eine Reue, die nichts mit Schuld zu tun hat. Sie hat vielmehr mit Verlust zu tun. Wir bereuen den Verlust der vielen Augenblicke, aus denen hätten Möglichkeiten werden können. Möglichkeiten für bewusste Momente da zu sein.

Von nun an wird alles anders sein, ohne dass es anders scheint. Es verwandelt sich im Inneren. Und erst wenn diese innere Verwandlung vollzogen ist, tritt sie irgendwie nach außen und was auch immer sich da zeigt, wir werden es leben und lieben. Jetzt sind wir in Kommunikation und in  Kommunion mit einer Kraft, die das Leben oder auch Existenz heißt. Wir lassen uns von ihr leiten und leiten und leiten und leiten. Im Grunde sind wir hier ständig schwanger und gebären uns immer wieder selbst! Wie lange? Na ja, bis es halt vorbei ist …

Doch was kommt dann? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht und möglicherweise möchte ich das auch gar nicht wissen. Vielleicht ist unsere Zeit als lebendige Wesen eine einmalige und einzigartige Gelegenheit. Vielleicht daher ja nur auf dieses eine Mal begrenzt und genau das vermute ich sehr, sehr stark. Und wenn das so ist, was würde es dann zur Folge haben?

Vielleicht lebten wir intensiver, gingen geiziger mit unserer Zeit um, verbrächten mehr Gelegenheiten mit uns selbst, erfreuten uns an allen Lebewesen. Erfreuten uns an allem, was wir erleben dürften, ganz gleich, was auch immer das wäre, ob es uns viel abverlangte oder der Frage danach, was es uns brächte und wären dankbar für all die Menschen, die uns aushielten. Vermutlich würde unser Leben auch nicht länger an Jahren dauern, doch es könnte ein Feuerwerk an Schönheit werden und ein Reichtum an berührenden Augenblicken, hätte es auch.

Und das alles kann JETZT SEIN.